Österreich auf zwei Rädern
Österreich ist ein Radland ersten Ranges. Mit über 36.000 Kilometern ausgewiesener Radwege, einem dichten Netz an Fahrradservicestationen und dem gut ausgebauten öffentlichen Verkehr für Fahrradmitnahme (WestBahn, ÖBB-Railjet) ist das Land ideal für Radtouren jeder Länge und Anforderung. Das österreichische Bundesministerium für Klimaschutz fördert aktiv den Radtourismus als nachhaltiges Mobilitäts- und Freizeitkonzept.
Die Hauptsaison für Radtouren dauert von April bis Oktober, wobei die Tieflagen schon ab März nutzbar sind und hochalpine Strecken erst ab Juni freigegeben werden.
Die großen Fernradwege Österreichs
1. Donauradweg (EuroVelo 6)
Der Donauradweg ist Österreichs bekanntester und meistbefahrener Fernradweg. Er verläuft entlang der Donau von Passau (Bayern) über Linz, Melk, Krems, Wien bis nach Bratislava – auf österreichischem Gebiet rund 380 Kilometer. Der Weg ist durchgängig asphaltiert, bestens ausgeschildert und für Einsteiger und Familien ideal geeignet.
- Highlight: Wachau – UNESCO-Welterberegion zwischen Melk und Krems (ca. 36 km)
- Gesamthöhenmeter: ca. 800 Hm (sehr moderat, ideal für E-Bikes)
- Etappenempfehlung: Passau – Linz (130 km, 3 Tage), Linz – Wien (200 km, 4 Tage)
- Unterkunft: Radfernweg-Hotels mit Gepäcktransport buchbar
2. Alpe-Adria-Radweg (R1)
Von Salzburg über Villach nach Grado (Adria) – der Alpe-Adria-Radweg ist eine der schönsten Punkt-zu-Punkt-Radrouten Europas. 412 Kilometer, davon 270 km in Österreich, führen durch vier Klimazonen: Alpenvorland, Hochalpen, Kärntner Seengebiet und friulanische Tiefebene.
- Gesamthöhenmeter bergauf: ca. 4.200 Hm – deutlich anspruchsvoller als Donauradweg
- Höchster Punkt: Katschberg-Pass (1.641 m) – Tunnel-Option vorhanden
- Highlights: Millstätter See, Wörthersee, Drautal-Abschnitt, Pontebba (I)
- Dauer: 7–10 Tage für Durchfahrten, einzelne Etappen als Tagestouren möglich
3. Drauradweg
Der Drauradweg (346 km) verläuft von der Drauquelle in Osttirol (Toblach/Dobbiaco, I) bis zur Draumündung in Slowenien. Auf österreichischem Gebiet führt er durch das Drautal in Kärnten – landschaftlich beeindruckend und weniger überlaufen als der Donauradweg.
- Startpunkt Österreich: Sillian (Osttirol), Endpunkt: Lavamünd (Kärnten)
- Streckenlänge (AT-Anteil): ca. 235 km
- Charakter: Malerisch, ruhig, ideal für Naturliebhaber
4. Inn-Radweg (EuroVelo 15)
Vom Inngletscher in der Schweiz bis zur Mündung in den Donau bei Passau – der Inn-Radweg kreuzt auf 517 km das Tiroler Inntal. Durch Innsbruck, Kufstein und das bayerische Voralpenland führt dieser Fernradweg durch eine der bekanntesten Tallandschaften der Alpen.
Mountainbike in Österreich
Für Mountainbiker bietet Österreich ein Streckenangebot von Weltklasse. Zahlreiche Liftanlagen haben ihre Infrastruktur für den Sommerbetrieb geöffnet und ermöglichen Downhill- und Enduro-Fahrten ohne Gegenanstiege.
Top-MTB-Regionen
- Saalbach-Hinterglemm (Salzburg): Eines der größten MTB-Gebiete Europas mit über 80 Trails und 4 Bikeparks. Weltcup-Austragungsort.
- Leogang (Salzburg): Veranstaltungsort UCI MTB World Championships 2020. Stonepark Bikepark mit Trails aller Schwierigkeitsgrade.
- Innsbruck (Tirol): Direktzugang zu Singletrails ab Stadtrand. Die Nordkette ist Kulisse für spektakuläre Enduro-Strecken.
- Schladming (Steiermark): Traditionelles Bikergebiet mit langen Touren und gut ausgebautem Wegenetz.
- Kleinwalsertal (Vorarlberg): Ruhige, naturnahe Trails; weniger überlaufen, für technische Fahrer empfohlen.
Schwierigkeitsskala für MTB-Trails
In Österreich werden Trails nach internationaler Farbkodierung ausgeschildert:
- Blau (leicht): Befestigte Wege, flache Profile – für Einsteiger und Familien
- Rot (mittel): Naturbelassene Wege, mäßige Steigungen, erste Hindernisse
- Schwarz (schwierig): Technisch anspruchsvoll, steile Passagen, enge Kurven – erfordert sichere Fahrtechnik
- Doppelschwarz (extrem): Nur für sehr erfahrene Fahrer, Profi-Niveau
E-Bike: Österreichs Berge für alle
E-Bikes haben das Radeln in Österreich revolutioniert. Mit elektrischer Unterstützung werden Anstiege bewältigbar, die mit dem klassischen Rad nur ambitionierten Fahrern zugänglich waren. Viele österreichische Tourismusregionen haben E-Bike-Verleihstationen und Ladepunkte entlang der Hauptrouten eingerichtet.
- Reichweite: Moderne E-Bikes schaffen 80–150 km pro Akkuladung, abhängig von Gelände und Unterstützungsstufe
- Aufladen: In den meisten Radfahrerhotels und vielen Tourismusbüros kostenlos möglich
- Verleih: Über Intersport Rent, Sport 2000 oder direkten Tourismusbüros vor Ort
- Empfehlung Einsteiger: Donauradweg oder Wachau – perfektes Terrain für E-Bike-Erstfahrer
Radfahren in Wien und Städten
Wien hat das Radwegenetz in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Mit rund 1.600 km ausgeschilderter Radwege und dem Wiener Leihrad-System WienMobil Rad ist die Bundeshauptstadt für Radpendler und Freizeitradler gleichermaßen attraktiv.
- Ringradweg: 12 km um den historischen Stadtkern, flach und gut ausgeschildert
- Prater-Hauptallee: 4,6 km gerade Allee ohne Autoverkehr – Klassiker für Familienausflüge
- Donauinsel: 42 km autofreie Insel mitten in Wien – Radeln, Joggen, Schwimmen
- Wiener Radroute R2: Verbindet Stadtrand mit Innenstadt auf direktem, sicherem Weg
Weitere Radstädte: Graz (über 700 km Radwege), Innsbruck (Innradweg durch die Stadt), Linz (Donauradweg durch das Stadtzentrum), Salzburg (Salzachradweg).
Radausrüstung: Was Sie wirklich brauchen
Pflichtausstattung
- Helm (in Österreich für Kinder unter 12 Jahren Pflicht, für Erwachsene dringend empfohlen)
- Fahrradschloss (zwei Schlösser für teure Räder)
- Beleuchtung vorne (weiß) und hinten (rot) – gesetzlich vorgeschrieben
- Klingel / Fahrradglocke (Pflicht)
- Reparaturset: Flickzeug, Reifenheber, Minipumpe
Empfohlen für Touren
- Fahrradcomputer oder GPS-Navigationsgerät
- Radtrikot und Radhose (Polsterung reduziert Druckstellen)
- Fahrradschuhe (mit Cleats für Klickpedale)
- Wasserdichte Packtaschen oder Ortlieb-Taschen
- Trinkflasche oder Trinkblase (mind. 1,5 L bei Tagestouren)